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Konzertbericht: Unestablished 2010 Festival

Die edlen Räumlichkeiten des Gruenspan stellen eine gebührende Kulisse für königliche Festlichkeiten dar. Das dachte sich auch der Club Calavera und lud zusammen mit dem Underground-Label „I Hate People“ am 27.3. zum Unestablished 2010 Festival ein.

Die vier Bands Pipes and Pints, Graveyard Johnnys, Mr. Irish Bastard und The Meteors sollten an diesem Abend den Saal zum Kochen bringen.

Um in die Konzerthalle zu gelangen, muss zuvor ein Spalier von Flats der anwesenden Psychobillys und -bellas durchquert werden. Bei Betreten des gut gefüllten, heiligen Konzertsaals spielen bereits die Prager Pipes and Pints ihr hervorragendes Set aus Punkrock mit Folkelementen. Von zentraler Bedeutung sind da natürlich die Highland-Bagpipes-Spielkünste von Vojita, die ziemlich beeindruckend sind. Weiter geht es mit den Graveyard Johnnys, die Rockabilly vom Feinsten spielen und die Festivalbesucher sofort auf ihrer Seite haben. Vor allem der Bassist weiß, wie er sein Instrument zu streicheln hat.

In der Zwischenpause sorgen die Queens des Calavera für eine blutige Ablenkung und plötzlich sind die vermeidlich bösen Jungs im Publikum ganz artig. Dann kommen Mr. Irish Bastard auf die Bühne. Gerade von der großen Japan-Tour zurück, sind auch sie beim Unestablished 2010 Festival dabei. Sie erweitert die übliche Punkrock-Instrumentierung mit Banjo und Blockflöte und können so – trotz anfänglicher Soundprobleme –  so manchen Zuschauer zu irischen Tänzen animieren. Spätestens bei dem Sisters-Of-Mercy-Cover „Temple Of Love“ gibt es kein Halten mehr und bei der Aufforderung die Arme im Takt zu bewegen, machen alle fleißig mit. Viel zu schnell ist auch deren Set vorbei.

Doch auch die nachfolgende Umbauzeit wird von einer Queen Calavera mit heißen Latin-Tänzen versüßt und erneut sind die Jungs im Zuschauersaal ganz gebannt und zahm. Doch das soll nicht lange so bleiben, denn das Highlight des Abends steht ja noch aus: The Meteors! Binnen kürzester Zeit ist der Saal rappelvoll und das Halloween-Theme erklingt. Wer nun glaubt, Michael Myers betritt die Bühne, liegt knapp daneben, denn P.Paul Fenech und seine Jungs entern die Stage und legen direkt mit einer geballten Ladung Psychobilly los. Natürlich stehen die Hardcore-Fans in der ersten Reihe und Wrecken während des gesamten Auftritts. Leider waren das die wenigsten im Publikum. Die Show der Meteors war solide und routiniert- nicht mehr, nicht weniger. Doch selbst die Bierzombies in den letzten Reihen konnte die Band nicht mehr „From Beyond“ zurück holen. Die „Fuck Politics“ oder „If you don’t like our music – fuck you!“-Sprüche wirken aufgesetzt und etwas deplatziert. Immerhin befinden wir uns ja nicht in Blankenese!

Igendwie scheint es, als ob die Jungs nicht mit sonderlich viel Gefühl bei der Sache sind und angesichts der übertriebenen Merch-Preise, kommen einem die absurdesten Gründe für den Auftritt der Psycho-Kings in den Kopf. Aber ein König benötigt eben auch eine königliche Ausstattung, um sich und seinen Hofstaat zufrieden zu stellen. Vielleicht ist es ja auch zu viel verlangt, bei Songs über Graveyards, Zombies, Massenmörder oder Monster etwas Seele zu verlangen. Aber dass die Aussage von P. Paul Fenech „Zahlt euer Ticket, amüsiert euch und geht nach Hause“ so wörtlich zu nehmen ist, war dann doch etwas überraschend. Da lässt es sich auch irgendwie nachvollziehen, dass viele Festivalbesucher nach dem Konzert schnell das Weite suchten, um noch woanders ihren „Chain Saw Boogie“ aufs Parkett zu legen. Schade, dass ein Festival, welches mit viel Engagement und Mühe auf die Beine gestellt wurde, durch die offensichtliche Lustlosigkeit des Hauptacts einen faden Nachgeschmack hinterlässt.

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